Neuartiges Arzneimittel revolutioniert den Kampf gegen Leukämie
Auch wenn der gegenwärtige medizinische Fortschritt guten Gewissens als rasant bezeichnet werden kann, darf der Aufwand für die Forschung nach neuen Arzneimitteln nicht unterschätzt werden. Bis ein solches auf den Markt kommt, vergehen in der Regel Jahre. Zunächst muss eine Erkrankung über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet und dabei ein Target (Ansatzpunkt für ein Medikament) gefunden werden. Dann werden unterschiedliche Substanzen auf dieses Target angesetzt und deren Effekt abgewartet. Substanzen, die mit dem Target reagieren, werden weiter untersucht. Anschließend durchlaufen sie einen Optimierungs- und Testprozess, an dessen Ende im Idealfall ein wirksames und für Patienten gut verträgliches Arzneimittelprodukt steht.
Besonders bei schwer verlaufenden und tödlichen Erkrankungen wie Krebs oder Aids wird die Arzneimittelforschung zur fieberhaften Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen. Im Kampf gegen Krebs konnten im Laufe der letzten Jahre jedoch zahlreiche Durchbrüche verzeichnet werden. Einer von ihnen betrifft die Medikation bei chronischer myeloischer Leukämie (Blutkrebs). Bei dieser Erkrankung erzeugt ein fehlerhaftes Chromosom (Träger genetischer Informationen im Zellkern) ein bestimmtes Protein (Eiweiß). Dieses Protein sorgt für eine übermäßige Produktion weißer Blutkörperchen. Schweizer Wissenschaftler des Pharmazieunternehmens Novartis hatten bereits in den 90er Jahren einen Wirkstoff namens Imatinib gefunden, der in der Lage ist, das Protein zu unterdrücken. Das Team um Brian Druker und Jürg Zimmermann machte es sich zur Aufgabe, Imatinib weiterzuentwickeln, zu testen und zu verbessern.
Betroffene, die mit diesem Arzneimittel behandelt wurden und sich anschließend einer Knochenmarktransplantation unterzogen, hatten eine Heilungschance von 60 bis 80 Prozent. Bei 98 Prozent der behandelten Patienten verbesserten sich die Blutwerte dank Imatinib signifikant. Die auftretenden Nebenwirkungen waren überwiegend leicht beherrschbar.
Brian Druker und Jürg Zimmermann wurden vom Europäischen Patentamt für ihren Erfolg mit dem Ehrentitel „Erfinder des Jahres 2009“ in der Kategorie Industrie ausgezeichnet.