Suchtgefahr: Zu viele Pillen gegen Stress

Die meisten Menschen kennen das: Der Berg an Arbeit im Büro wird und wird einfach nicht kleiner, egal, wie viel man schuftet. Aus Angst, die Karriere oder gar den Job zu gefährden, sagt man nichts, sondern versucht, alles irgendwie hinzubekommen. Dauerstress ist da vorprogrammiert. Wenn man das Gefühl hat, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, gehen viele Arbeitnehmer zum Arzt und verlangen Schlaf– oder Beruhigungsmittel, um den Alltag wieder bewältigen zu können – und oft genug bekommen sie diese Arzneien dann auch verschrieben. Doch das kann schnell in die Abhängigkeit führen.

Rund 280.000 Versicherte der Krankenkasse DAK-Gesundheit haben im Jahr 2012 Schlaf- und Beruhigungsmittel mit hohem Suchtrisiko eingenommen. Dies haben Auswertungen der Kasse ergeben. Ein Viertel der Patienten, die solche Medikamente (z. B. Benzodiazepin-Präparate oder sogenannte Z-Substanzen wie Zopiclon oder Zolpidem) auf Rezept bekamen, waren laut Angaben der DAK-Gesundheit junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren. „In diesem Alter stehen viele beruflich vor großen Herausforderungen und nicht selten unter Dauerstress“, erklärt Dr. Ronald Meurer, Apotheker bei der DAK-Gesundheit. „Die Statistik lässt vermuten, dass sie die Substanzen zur Bewältigung des Leistungsdrucks nehmen. Dafür sind die Medikamente allerdings überhaupt nicht geeignet“, so Meurer weiter. Vielmehr sind die rezeptpflichtigen Arzneimittel zur Linderung von Angstzuständen oder bei schweren Schlafstörungen vorgesehen.

Werden solche Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen, kann dies zu einer Abhängigkeit führen. Experten schätzen, dass in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen tablettensüchtig sind. Darüber hinaus kann die Einnahme dieser Mittel weitere Gefahren bergen: So steigt etwa das Unfallrisiko beim Autofahren, da das Reaktionsvermögen verringert ist.

Wer Stress im Job hat, sollte also besser versuchen, Aufgaben zu delegieren und für einen Ausgleich in der Freizeit sorgen, z. B. durch Sport oder Entspannungsmethoden wie Yoga oder Autogenes Training.

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